Unterwegs II – Ein Kompliment

Jürgen und ich sind unterwegs, es ist Winter und wir laufen durch die Kälte. Also ich laufe und ich schiebe, während Jürgen sitzt und friert. Ich schiebe diese gut 90 kg durch den Schnee und Jürgen sagt mir, ich soll mich nicht so anstellen. Es wäre auch schon mal schlimmer gewesen. „Klar“, denke ich mir, „irgendwann war es schon mal schlimmer, aber was hilft mir das?“ Ich habe meine Handschuhe nicht dabei und friere. Meine Schuhe und meine Hose sind nass und ich jammere vor mich hin. Wir sind auf dem Weg zum Bahnhof, und wie das in Deutschland so ist, können wir nicht einfach zum nächstgelegenen gehen. Der Aufzug ist kaputt. Also müssen wir laufen, bis zu einem Bahnhof mit intaktem Aufzug.

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Unterwegs II – Ein Kompliment was last modified: Januar 17th, 2015 by Heptopus

Persönliche Assistenz II – Das Sorgenkind

Das Sorgenkind
Das Sorgenkind

Wie die meisten von Euch wissen, stehe ich einem mehrfach schwerbehinderten Menschen als persönliche Assistenz zur Seite. Um so konkret wie möglich zu werden: ein Mittvierziger, schwere spastische Lähmung, vom Hals abwärts – mit allem was dazu gehört, das „Premiumpaket“ quasi (entschuldigt den Zynismus). Bis auf diese kleinen Details ein ganz normaler Typ, manchmal sogar ein richtiger Arsch, was aber in meinen Augen eigentlich nur ein Zeichen für Normalität ist.

Er lebt alleine und regelt seinen Alltag selbst, er nimmt Hilfe an, wo er sie benötigt. Dabei befindet er sich permanent, wir natürlich auch, in einem Spannungsfeld aus Hilfsbedürftigkeit und dem Wunsch nach Autonomie und allein-sein.  Aber irgendwie schaffen wir, er, meine Kollegen und ich, im Großen und Ganzen recht gut, sein Leben seinen Wünschen entsprechend zu gestalten. Vor ungefähr vier Wochen erreichte uns ein Anruf, der seine Welt erschütterte. Sein Vater war verstorben. Von den folgenden Wochen und unserer Reise zur Beerdigung möchte ich heute erzählen.

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Persönliche Assistenz II – Das Sorgenkind was last modified: Januar 13th, 2015 by Heptopus

Pflegepraktikum im Hospiz

Wo geht die Reise hin?
Wo geht die Reise hin?

Nachdem ich recht lange nach einer passenden Stelle für mein Pflegepraktikum gesucht habe, bin ich endlich fündig geworden und habe eine Zusage: ich mache mein Pflegepraktikum im Hospiz. Heute war ich zum persönlichen Gespräch dort und ich bin noch mehr überzeugt, als ich es zu Anfang war, das es eine gute Wahl ist. Aber warum bin ich dieser Meinung und was hat die Arbeit im Hospiz mit dem Beruf als Heilerziehungspfleger zu tun?
Welche Aufgaben erwarten mich dort und glaube ich, das ich der Belastung gewachsen bin? Überschätze ich mich oder habe ich mir das ausreichend überlegt?
Das möchte ich hier an dieser Stelle noch einmal für mich reflektieren und ich würde mich freuen, wenn ihr mich dabei begleitet!

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Pflegepraktikum im Hospiz was last modified: Januar 18th, 2015 by Heptopus

Warum PEGIDA eine reale Gefahr ist

PEGIDA-PositionspapierIn ganz Deutschland weniger, in Dresden eher mehr, zu sehen ist momentan das Erstarken einer Bewegung mit dem klangvollen Namen „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. PEGIDA nimmt für sich in Anspruch, einen breiten Querschnitt aller Bevölkerungsgruppen zu vertreten. Was erstmal gut und demokratisch kling offenbart bei genauerem Hinsehen nur einen quer durch die Bevölkerung gehenden, latenten Rassismus, der sich aus schlecht informierter Angst speist. Gibt es ein Deutschland bzw. Europa eine Gefahr einer „Islamisierung des Abendlandes“? Was ist denn dieses Abendland? Mangels anderer, einheitlicher Positionierungen picke ich mir das PEGIDA-Positionspapier, um polemisch und populistisch darzustellen, warum PEGIDA eine weit größere Gefahr für das Abendland darstellt als die Milliarden Gotteskrieger, die europäische Innenstädte mit Gewalt und Terror überziehen.

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Warum PEGIDA eine reale Gefahr ist was last modified: Januar 8th, 2015 by Heptopus

Inklusion – Soll Henri (Tim) aufs Gymnasium gehen?

Der „Fall Henri“ mag schon ein alter Hut sein, ich finde ihn aber exemplarisch und gebe darum nochmal meinen Senf dazu, unabhängig von der tatsächlichen, momentanen Entwicklung.
In der „Übereinkunft über die Rechte von Menschen mit Behinderung“ werden einige Grundrechte genannt, die Menschen mit Behinderung regelmäßig versagt werden, ich werde zwei heraussuchen, die ich für die Diskussion, ob Henri (oder Tim) aufs Gymnasium gehen darf (oder sollte), bedeutsam finde:

  • das Recht, ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft zu führen
  • das Recht, eine gute Bildung zu erhalten

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Inklusion – Soll Henri (Tim) aufs Gymnasium gehen? was last modified: Januar 28th, 2015 by Heptopus

Persönliche Assistenz

Ich arbeite für einen ambulanten Pflegedienst im Bereich der persönlichen Assistenz. In früheren Jahren war ich an einer Schule tätig, auch im Rahmen der PA, allerdings nannte man uns damals noch Integrationshelfer. Im Laufe der Zeit sind mir viele Dinge aufgefallen, die ich erschreckend fand und auch heute noch finde und ich habe selber viel dazu gelernt, nicht zuletzt im Rahmen meiner Ausbildung zum Heilerzieher.
Es hat lange gedauert, bis ich selbst bereit war, einige wichtige Dinge zu akzeptieren und auch schätzen zu lernen, so wie: es ist unglaublich wichtig, welches Menschenbild man hat.

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Persönliche Assistenz was last modified: Januar 8th, 2015 by Heptopus

Inklusion – was ist das?

Inklusion bedeutet Teilhabe an der Gesellschaft. Inklusion bedeutet Selbstbestimmung und Autonomie. Inklusion bedeutet Abbau und Abriss von Grenzen und Barrieren. Entgegen der landläufigen Meinung bezieht sich der Begriff Inklusion nicht nur auf Menschen mit Behinderung, sondern auch auf Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung, alte und kranke Menschen, verschiedene religiöse Ansichten, sprich auf alle Menschen, die außerhalb des alltäglichen Gesellschaftslebens stehen (müssen). Leicht ist ersichtlich, das in verschiedenen Kulturen verschiedene Menschen ausgegrenzt werden, darum ist der Inklusionsbegriff keine starre Formulierung, sondern flexibel – er bezieht sich immer auf die Gesellschaft, auf die er angewendet wird.
Wenn ich hier von Inklusion rede meine ich jedoch, der Einfachheit halber, immer die Inklusion von Menschen mit Behinderung.

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Inklusion – was ist das? was last modified: Januar 28th, 2015 by Heptopus