Moderation von Übergängen (Transitionen)

Transitionen
Vom alten in ein neues Leben

Jedes Kind und jeder Erwachsene muss in seinem Leben eine Reihe von Übergangen (Transitionen) erfahren und gestalten. Das kann ein Wechsel aus einer Krabbelstube in einen Kindergarten sein, der Wechsel vom Kindergarten in die Schule und die weiterführende Schule, ein Wechsel ins Berufsleben oder eine Mutter-/Vaterschaft sein.  Eine Transition kann als eine Phase beschleunigten Lernens beschrieben werden. Sie sind entwicklungspyschologisch komplexe Prozesse, die mit gravierenden Anforderungen einhergehen und Belastungsfaktoren darstellen können. Bei der Betrachtung von Transitionen sollen aber nicht die Belastungen im Vordergrund stehen, sondern die Chancen die aus der Bewältigung des Überganges entstehen – Kompetenzgewinn, Lernprozesse und die Anpassung an neue Strukturen.


Die meisten Kinder bewältigen die Herausforderungen von Übergängen ohne Probleme, die Kinder aber, die Schwierigkeiten haben, müssen möglichst früh erkannt werden, um ihnen Hilfestellung anzubieten. Sie benötigen gezielte Angebote, die es ihnen ermöglichen, die für die Bewältigung der Transition erforderlichen Fähigkeiten zu erwerben. Hierbei müssen auch die Eltern eingebunden werden und gegebenenfalls auf Unterstützungsangebote hingewiesen werden.

1. Transitionen

Was also genau kennzeichnet jetzt eine Transition? Ein Wechsel zwischen zwei Kindergärten oder zwei Grundschulen, z.B. als Folge eines Umzugs, stellt keinen Übergang dar. Auch wenn die Herausforderungen vielfältig sind für alle Beteiligten, findet kein Wechsel auf der Identitätsebene statt. Innerhalb eines Tages stattfindende Wechsel der Betreuungsumgebung stellen ebenfalls keine immer neuen Übergänge dar. Erst wenn ein Kind oder Erwachsener mit seiner neuen Identität in Einklang ist (ein Schulkind zu sein, im Berufsleben zu stehen) ist ein Übergang vollständig bewältigt.
Die Herausforderungen, die ein Übergang mit sich bringt, betreffen aber nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern und die am Übergang beteiligten Institutionen (Kindergarten und neue Schule, „abgebende“ und „aufnehmende“ Stelle), also auch die beteiligten sozialen Systeme. Eltern müssen ebenfalls einen Übergang zu einer neuen Identität bewältigen, z.B. von der Mutter eines Kindergartenkindes zur Mutter eines Schulkindes. Es ist für die Kooperation mit den Eltern wichtig, das diese sich dieses Umstandes bewusst sind.
Wie kann eine Moderation von Transitionen stattfinden? Im Leben von Kindern und Heranwachsenden, aber auch Erwachsenen, gibt es vielfältige Umbrüche und Brüche, z.B. in der Familie, der eigenen Person, Bildung, Beruf (Tod und Geburt, Trennungen, Pubertät, Wechsel in die Schule, Arbeitstätigkeit und Ruhestand). Im Schulsystem finden viele Übergänge zwischen verschiedenen Einrichtungen statt, wobei es mittlerweile zu einer immer stärkeren Altersdurchmischung kommt. Dadurch bedingt ist es kaum noch möglich, standardisierte Übergangsmodelle anzubieten, es ist vielmehr wichtig, diese an die individuellen Bedürfnisse des Kindes und der beteiligten sozialen Systeme anzupassen.
Hierbei soll versucht werden, mit allen beteiligten (Kind, Eltern, Lehrkräfte) eine gemeinsame Zielsetzung darüber zu formulieren, was der Übergang für Kind und Eltern bedeutet. Nur durch eine Kommunikation unter allen teilnehmenden Parteien kann erreicht werden, das ein Kind sich in seiner neuen Umgebung wohlfühlt und seine neue Identität annimmt.

Die erfolgreiche Bewältigung von Übergängen ist als Prozess zu verstehen, der von allen am Übergang Beteiligten gemeinsam und ko-konstruktiv zu leisten ist. (Aus: Bildung von Anfang an, S.95, Hess. Bildungs- und Erziehungsplan)

Drei Ebenen müssen berücksichtigt werden:

Individuelle Ebene:

  • starke Emotionen bewältigen können
  • neue Kompetenzen erwerben
  • Identität durch neuen Status erwerben

Interaktionale Ebene:

  • Veränderung bzw. Verlust bestehender Beziehungen zu verarbeiten
  • neue Beziehungen aufnehmen
  • Rollen verändern können

Kontextuelle Ebene:

  • Vertraute und neue Lebensumwelten, zwischen denen sie pendeln, in Einklang bringen
  • sich mit dem Unterschieden der Lebensräume auseinandersetzen
  • Ggf. weitere Übergänge (z.B. Trennung der Eltern, Geburt Geschwister) bewältigen können

Ein Ziel aller Personen , die den Übergang begleiten, ist es, ein Transitionsprogramm zu etablieren, an dem sich alle beteiligen. Dies ermöglicht es, Probleme, Ängste und Vorbehalte anzusprechen, die Bereitschaft zur Mitarbeit abzuklären, Vorteile der Zusammenarbeit herauszuarbeiten, für die Arbeit zu sensibilisieren und Strategien zu entwickeln. ( Aus: Bildung von Anfang an, s.96, Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan)

2. Infans Eingewöhungsmodell

Das Infans Eingewöhnungsmodell, auch Berliner Modell, wurde entwickelt von Laewen und Andres. Das Modell teilt die Eingewöhnungszeit, die sich über einen Zeitraum von 1 bis 4 Wochen erstreckt, in 5 Phasen auf:

  1. Die Eltern sind über die Wichtigkeit ihrer Anwesenheit informiert, d.h. sie bleiben die Hauptbindungsperson, Dies soll Ängste seitens der Eltern abbauen
  2. Eine dreitägige Grundphase (1-2 Stunden), in der Verhaltensempfehlungen Unsicherheiten seitens der Eltern vermeiden sollen. Es wird versucht, durch Spielangebote Kontakt zum Kind aufzunehmen. Es sollten keinesfalls Trennungsversuche von den Eltern unternommen werden.
  3. Am 4. Tag erster Trennungsversuch gleich nach der Ankunft für maximal 30 Minuten, wobei die Zeit von der Reaktion des Kindes abhängig ist. Anzeichen von Erschöpfung beim Kind führen zum Abbruch des Trennungsversuches. Zeigt das Kind Anzeichen von Verstörung sollen nach drei Minuten die Eltern zurückkehren. Der/die Erzieherin beobachtet das Verhalten des Kindes bei Abschied und Wiederkehr um festzustellen, in welchem Maß das Kind die Anwesenheit der Eltern benötigt. Ein Kind mit häufigerem, intensiveren Blick- und Körperkontakt kann eine längere (2-3 Wochen) Eingewöhnungszeit benötigen als ein Kind mit weniger intensivem Blick- und Körperkontakt (~6 Tage).
  4. Stabilisierungsphase, die Erzieherin reagiert zuerst, an Stelle der Eltern auf Signale des Kindes. Eltern halten sich zurück. Der/die Erzieherin ist alleine mit dem Kind, wobei die Mutter in der Nähe bleibt. Es wird ein Abschiedsritual vereinbart. Bei Nicht-Akzeptieren der Trennung soll bis zur zweiten Woche gewartet werden.
  5. Schlussphase, die Eltern sind nicht mehr gemeinsam mit dem Kind in der Krippe, aber jederzeit erreichbar. Die Erzieherin bildet nun eine „sichere Basis“ und das Kind lässt sich von ihr trösten. Entscheidend ist nun, ob das Kind sich bei der Verabschiedung von den Eltern von der Erzieherin beruhigen lässt.

Quellen:
zu 1.:
vgl.: Lernen von Anfang an, S.94-96, Hessischer Bildungs- und Erziehungsplan
zu 2.:
vgl: Zusammenfassung des Berliner Eingewöhnungsmodell zur Eingewöhnungsphase für die jüngeren Kinder (0-3 jährige; aus Handbuch der Elementarerziehung 2.19/Dez.1992)

 

Moderation von Übergängen (Transitionen) was last modified: Januar 14th, 2015 by Heptopus
 

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