Pflegepraktikum im Hospiz

Wo geht die Reise hin?
Wo geht die Reise hin?

Nachdem ich recht lange nach einer passenden Stelle für mein Pflegepraktikum gesucht habe, bin ich endlich fündig geworden und habe eine Zusage: ich mache mein Pflegepraktikum im Hospiz. Heute war ich zum persönlichen Gespräch dort und ich bin noch mehr überzeugt, als ich es zu Anfang war, das es eine gute Wahl ist. Aber warum bin ich dieser Meinung und was hat die Arbeit im Hospiz mit dem Beruf als Heilerziehungspfleger zu tun?
Welche Aufgaben erwarten mich dort und glaube ich, das ich der Belastung gewachsen bin? Überschätze ich mich oder habe ich mir das ausreichend überlegt?
Das möchte ich hier an dieser Stelle noch einmal für mich reflektieren und ich würde mich freuen, wenn ihr mich dabei begleitet!

Mitte Dezember besuchten wir im Rahmen des Ethik-Unterrichts ein Hospiz in Frankfurt. Der dortige Seelsorger gab uns einen Einblick in die Arbeit und die damit verbundene Haltung zum Tod, genauer zum Sterben. Im Laufe des Vortrags schweiften meine Gedanken immer wieder ein wenig ab, irgendwie hatte er doch einen Nerv bei mir getroffen – ich war vorher nicht besonders gespannt auf diesen Besuch. Während ich in verschiedenen Einrichtungen, Schulen und Pflegediensten arbeitete bin ich immer wieder damit konfrontiert worden, das Menschen sterben, sei es ein Mädchen, das ich selbst betreut habe, oder Angehörige von Menschen, denen ich als Assistent zur Seite stand. In einigen Fällen war ich selbst sehr betroffen, in anderen Fällen war es mehr eine schwierige Situation für die Angehörigen/Klassenkameraden/Mitbewohner. Auch privat habe ich die Erfahrung gemacht, das Krankheit und Tod zum Leben dazugehören und das man selten vorbereitet ist.

Dank einer guten Freundin (Hi Sarah!) hatte ich das Glück, mich lange Zeit intensiv und professionell mit mir selbst und meinem Umgang mit solchen existentiellen Erfahrungen auseinandersetzen konnte. In dieser Zeit lernte ich sehr viel über mich und erkannte, das es nicht selbstverständlich ist diese Hilfe zu bekommen. Wie soll man auch mit so etwas umgehen, mit Anfang 20 gehört so etwas nicht zu den typischen Erfahrungen die man macht, oder machen möchte.

Was hat das mit Heilerziehungspflege zu tun?

Für einen Menschen mit Behinderung ist das nicht anders, nur ist es so, das schwere Erkrankungen häufiger vorkommen. Ein schwaches Immunsystem, ein Sturz, ein Anfall, ein Unfall. Im Prinzip kann es jeden treffen. Jetzt stehe ich in dieser Wohngruppe/Klasse/Kindergruppe vor dieser Situation und zusätzlich zu meiner eigenen Betroffenheit, ich arbeite dort. Wenn ich alles richtig gemacht habe bin ich für diese Menschen eine Vertrauensperson, ein Ansprechpartner, und in diesen Momenten suchen sie meinen Schutz und mein Verständnis. Ich glaube, oft hat man das nicht so auf dem Schirm, aber es kommt in einem Arbeitsleben doch recht häufig vor. Ich glaube, eine gewisse „Vertrautheit“ verleiht mir Sicherheit, auch wenn ich selber betroffen bin. Authentizität ist wichtig, ich kann das zeigen und zulassen, aber ich sollte mich auch in andere Betroffene einfühlen können.

Welche Aufgaben erwarten mich dort?

Ich fange in der Hauswirtschaft an. Putzen. Essen machen. Aufräumen. Kling erstmal nicht so spannend, ist ja aber auch Ausbildungsinhalt. Außerdem koche ich sehr gerne. Es hat aber auch einen ganz praktischen Grund: ich lerne Patienten erst einmal nur kurz kennen und sie können sich an mich gewöhnen – und ich mich an sie. Am Anfang gibt es bestimmt ein paar Berührungsängste. So habe ich auch die Möglichkeit, relativ schnell wieder „in sicheres Gebiet“ zu kommen. In Absprache mit dem Team werde ich dann in der Folgezeit auch in der Pflege eingesetzt – wie weit sehe ich mich, wie weit sehen die anderen mich und, nicht zuletzt, die Patienten. Wobei ich das alles nicht so trennen möchte, Essen, Nahrung, Genuss, all das gehört für mich zur Pflege dazu. Es geht um den ganzen Menschen, für den einen bedeutet es mehr, für den anderen weniger. Das ist Teil eines Modells der Pflegetheorie von Monika Krohwinkel (AEDL), das sich an verschiedenen Bedürfnissen des Menschen orientiert und auch eine Einstellung, mit der man einen Menschen betrachtet.

Bin ich dem gewachsen?

Darüber bin ich mir noch nicht ganz klar. Das heutige Gespräch aber hat mich zuversichtlich gestimmt. Mir wurde von Beginn an gesagt: sollte ich mit einer Situation überfordert sein, mich unwohl fühlen, dann möchte ich das bitte sagen. Auch sich aus bestimmten Situationen heraus zu ziehen ist kein Problem. Zu alledem werde ich in alle Abläufe integriert, das schließt sämtliche Besprechungen, Übergabegespräche usw. mit ein. Natürlich sollte das so sein, aber es tut gut, das vorher zu hören. Es mag komisch klingen, aber ich freue mich auf das Praktikum.

Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf die Hospiz-Bewegung und Palliativ-Medizin eingehen und warum ich denke, das sie anderen Formen der „Sterbehilfe“ vorzuziehen sind. Menschen möchten aus verschiedenen Gründen sterben: einige sind unheilbar krank, andere haben einfach denn Sinn oder das (ihr) Ziel aus den Augen verloren. In den meisten Fällen, davon bin ich überzeugt, gibt es Möglichkeiten diesen Menschen ihre Freude am Leben zurück zu geben oder die ihnen verbleibende Zeit wertvoll zu gestalten. Das eine können Freunde oder auch eine gute Pflege, die nah am Menschen ist, gut leisten. Im anderen Fall kann, sofern der Aufenthalt zu Hause nicht mehr möglich sein sollte, ein Hospiz die richtige Wahl sein. Das Augenmerk liegt nicht auf dem Sterben, sondern auf der Gestaltung der verbleibenden Tage. Um ein von Schmerz und Leiden erfülltes Sterben zu ermöglichen gibt es die Palliativmedizin. Kein Mensch sollte in die Lage kommen müssen, für sich keinen anderen Ausweg als den assistierten Suizid wählen zu müssen.

Es gibt einen schönen Spruch dazu: „Nicht durch die Hand eines anderen sterben, sondern an der Hand eines anderen.“

Pflegepraktikum im Hospiz was last modified: Januar 18th, 2015 by Heptopus
 

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