Unterwegs III – 4 Arten eine Tür zu durchqueren

Tür mit Anwender
Tür in freier Wildbahn mit Anwender

Sie sind wirklich überall – Türen, Rolltreppen, Aufgänge, Durchgänge, Drehtüren, Treppen, Unterführungen usw. usw. Sie können etwas abgrenzen oder den Zugang ermöglichen, sie können uns hinauf- und hinabführen. Türen sind denkbar anwenderfreundlich, sie haben ein simples Konzept, das ihnen zu Grunde liegt. Jeder mag Türen, nur mit der Richtung in die sie zu öffnen sind gibt es manchmal Probleme, das macht Drehtüren so toll. Aber halt: so einfach ist es nicht. Türen können einen Anwender auch verunsichern! Im Laufe der Evolution hat die Menschheit verschiedene Strategien entwickelt, sich diesem Problem zu stellen. Ich stelle Dir hier die 4 wichtigsten Anwenderprofile für die korrekte Benutzung von Durchgängen in unübersichtlichen Situationen vor, vielleicht ist eines für Dich dabei!

Beliebt, beschäftigt & gebildet

Die erste Art, eine Tür zu durchqueren (gilt für alle Durchgänge und Engstellen, nur so am Rande) ist, sich nicht weiter mit dem zu beschäftigen, was vor Dir liegt. Du lenkst Dich ab, bringst Dich auf andere Gedanken und überlegst nicht:

„Was mache ich, wenn die Rolltreppe zu Ende ist und ich oben angekommen bin? Wie geht es dann weiter?“

Das ist besonders wichtig, wenn Du nicht weißt, wo Du hin möchtest. Die Fragestellung, warum Du dann überhaupt unterwegs bist, lasse ich hier außen vor; dafür mag es viele Gründe geben und die meisten davon sind psychologischer, evtl. sogar pathologischer Natur und verlangen eine gesonderte Betrachtung, die diesen Rahmen hier sprengen würde. Also, Du möchtest die unangenehme Situation solange hinauszögern wie es eben geht. Viele Menschen nehmen hierfür ein Buch, das sie auf der Rolltreppe lesen und sich dabei treiben lassen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, am Ende der Rolltreppe an einer besonders mitreißenden Stelle des Buches angekommen zu sein, so dass Du automatisch wie vom Donner gerührt stehen bleibst. Der Vorteil ist, wie bei allen Durchgängen, das Du von Menschen umflossen wirst, vielleicht sogar einen kleinen Schubs von einem anderen Leser bekommst und Dich im Strom der Massen weitertragen lassen kannst.

Ein Buch ist gut, ich persönlich aber empfehle das Smartphone. Du fällst weniger auf und kannst, falls die Netzabdeckung Dich im Stich lässt, auch gut Aktivität vortäuschen. Ansonsten ist es praktisch, Dinge zu erledigen, die keinen Aufschub dulden, für die Du aber bei der Fortbewegung keine Zeit hättest. Kommunizieren, Netzwerken, ein neues Album auswählen oder eine Playlist erstellen, einfach mal was nettes sagen (HDL XD xoxoxo); der Effekt ist der gleiche wie mit einem Buch, nur unglaublich viel produktiver. Auch wenn der Horror vorbei ist und Du Dich schon weiter bewegst, pack Buch oder Smartphone nicht gleich wieder ein; es kann Deine aufgewühlten Nerven noch ein paar weitere Minuten beruhigen.

Der Feldherr
Die zweite Art, eine Tür zu durchqueren (gilt für alle Durchgänge und Engstellen) ist, im Gegensatz zur ersten Methode, nicht von Unsicherheit geprägt, ganz im Gegenteil. Sie ist den selbstbewusstesten Vertretern der Gattung Mensch vorbehalten und zwar ausschließlich. Diese Spezies, zu der Du gehörst, ist gelangweilt vom Prozedere, und das sieht Dir (hoffentlich)auch an, aber das Erreichen der Engstelle veranlasst Dich, aktiv zu werden.Für Dich bedeutet das, neues Revier zu betreten.

Du verschaffst Dir einen Überblick, Du bist ein Jäger, Herrscher, Beschützer, Du hältst nach Bedrohungen Ausschau und bist präsent, bereit, gegebenenfalls Ärsche zu treten.

Bevor Du Dich angemessenen Schrittes (nicht zu schnell bitte, das wirkt schnell hektisch) in Bewegung setzt, wird die Lage sondiert. Stell Dir Alexander den Großen, Julius Cäsar oder Napoleon vor, wie sie auf einem Hügel stehen und das Schlachtfeld überblicken. Ich empfehle, die eigene Überlegenheit deutlich nach außen zu zeigen: Fäuste in die Hüfte, Brust raus, Bauch rein.

Es lässt sich nicht vermeiden, das einige es an Dir vorbei schaffrn, aber das Vieh kannst Du später wieder einsammeln. Es hat sich auch gezeigt, das ein gekonntes Ausspucken Eindruck hinterlässt. In einer weniger verklemmten Gesellschaft würde ich dazu raten, das Bein zu heben und zu markieren. Soviel Zeit muss sein.

Der Stadtneurotiker
Die dritte Art, eine Tür zu durchqueren (gilt für alle Durchgänge und Engstellen) ist, im Gegensatz zu den beiden anderen Methoden, nur etwas für Dich, wenn Du generell mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen hast und zu nervös für die Benutzung eines Buches oder eines Smartphones bist. Hier ist guter Rat teuer, aber Du kannst es Dir auch leicht machen.

Wenn Du eine Treppe benutzt, wechsele einfach die Seite, am Besten scheinbar unmotiviert.

Richtungswechsel sind grundsätzlich zu empfehlen, so bleibst Du unberechenbar. Der Feldhase überlebt auf diese Art und Weise schon seit Jahrhundertausenden. (Millionen). Erreichst Du einen Durchgang – bleib_einfach_stehen. Rehe machen das, wenn sie in die Scheinwerfer eines Autos schauen, es kann also nicht nur schlecht sein. Es zwingt Angreifer, dir auszuweichen. Hoffentlich. Ansonsten heißt es Daumen drücken – machen Rehe auch.

Oder suche Dir einen Anwender mit dem Benutzerprofil „Feldherr“, bleib hinter ihm stehen und füge Dich so in Deine natürliche Ordnung ein. Wenn Du ihm eine Weile folgst führt er Dich in sicheres Gebiet und gleichzeitig hilfst Du ihm bei seiner Aufgabe, die Herde im Zaum zu halten. Ihr zwei als Team seid deutlich schwieriger zu passieren.

Der pragmatische Langweiler
Die vierte und letzte Art, eine Tür zu durchqueren (gilt für alle Durchgänge und Engstellen) stellt den Anwender vor die größten Herausforderungen.

Auch wenn jedem, auch Dir, das Konzept eines Durchganges vertraut ist gibt es dennoch viele Feinheiten, die zu beachten sind, mit denen man die eigene Performance optimieren kann. Für Dich sind die anderen User low-performer.

Du wirst Dich mit viel Vorbereitung herumschlagen müssen. Du musst planen und methodisch vorgehen. Ruf Dir ins Gedächtnis, wo Du hin möchtest. Warst Du schon einmal dort? Wenn ja, gut, falls nein: informiere Dich über den Weg. Du bist ein Pfadfinder. Für Dich ist nicht der Weg das Ziel und Du nimmst das Wort Mobilität ernst, so un-entschleunigt wie es nur geht. Öffentliche Verkehrsmittel und Durchgänge sind für Dich nur Mittel zum Zweck, Werkzeuge. Du benutzt sie. Es bereitet Dir keine Freude, aber auch wenn Du notgedrungen mehrere Durchgänge bewältigen musst, um das Verkehrsmittel zu wechseln zum Beispiel, so weißt Du immer den kürzesten, direktesten Weg.

Ich will Dir nichts vormachen, das erfordert viel Übung und manch ein professioneller Anwender behauptet, Perfektion kann hier nicht erreicht werden. Die anderen Anwender sind von Dir schnell verschreckt, rümpfen die Nase oder finden Dein Verhalten sogar ungebührlich, aber Dir ist das egal. Merk Dir eins, Du bist zwar langweilig und pragmatisch, aber geil! Danke dafür.

Wenn Du einen Durchgang siehst, dann gehst Du einfach hindurch.

Unterwegs III – 4 Arten eine Tür zu durchqueren was last modified: Februar 3rd, 2015 by Heptopus
 

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