Unterwegs V -Retrospektive

OF-fenbar bin ich zu langsam.
OF-fenbar bin ich zu langsam.

Heute ist Samstag und es ist Winter. Es passiert nicht viel, das erzählenswert wäre. War heute bei Jürgen, da war auch nichts los und es hat wieder angefangen zu schneien. Da dachte ich mir, es sei eine gute Gelegenheit, eine ältere, dem einen oder anderen bereits bekannte Geschichte neu zu erzählen, auf vielfachen Wunsch meiner Leser (der Unmengen von Lesern 😛 ). Sie beschäftigt sich mit meiner erhöhten Gefährundslage wenn ich mich zu privaten Zwecken in ein Auto setze, zum Leidwesen der PEGIDA gibt es aber keinen islamisierenden Hintergrund; ungeachtet der Religion und/oder Herkunft zeigt sich nur, wie bescheuert Autofahrer sind. Eventuell kann man das noch in Zusammenhang mit gewissen Kennzeichen bringen, aber das wars dann auch schon. Aber: der Worte genug, lasst Euch entführen. Es war im Mai des Jahres 2014, wir hatten gerade unseren Pachtvertrag für den Garten unterschrieben, da begab es sich…

Wenn Heptopus zu einem Baumarkt will, und sich zu diesem Zwecke in ein Auto setzt, geht irgendwo beim Höllen-„Der Preis ist heiß“ automatisch die Tür mit dem Zonk auf. So auch gestern. Heptopus, Heptofrauchen und Heptopek, der Hund, fahren gemütlich die  A5 entlang, voller Tatendrang und Pläne. Es ist ein schöner Tag, ein Samstag und wir sind nicht in Eile.

Als es soweit ist, dass das Navi, dem wir nach zwei erfolglosen Versuchen, den Weg auf „die alte Art“ zu finden, nun doch mehr vertrauen als unseren Fähigkeiten, uns befiehlt, hier die Autobahn zu verlassen, nehmen wir die Abfahrt auf die 661 Richtung Nieder-Eschbach. Ich möchte diese Ausfahrt recht langsam druchfahren, ich habe Heptopek, den Hund im Beifahrer-Fußraum, plus Heptofrauchen; nicht im Fußraum, aber auf dem Sitz. Außerdem fahre ich einen nicht besonders schnittigen Kombi Typ Familienkutsche, denn so fühlen wir uns ja auch.

Plötzlich materialisiert im Rückspiegel ein weißer Mercedes mit OF-Kennzeichen. Offensichtlich fahre ich ihm zu langsam, denn er überholt mich in der Kurve der Ausfahrt. Gefährlich genug, er zeigt mir im Vorbeifahren den Mittelfinger und ich winke ab. Soll er doch. Ich sehe ihn dann vielleicht mal als Klienten wieder. Aber diese unflätige, respektlose Geste, on-top meines Schleichens – es reicht. Er setzt sich in einem gewagten Manöver vor mich, bremst mich aus und hält an. Merket: wir befinden uns auf der Autobahn.

Mich beschleicht ein ungutes Gefühl und ich bitte Heptofrauchen, die Polizei zu rufen und verriegele die Türen, mache die Fenster hoch. Und tatsächlich: er steigt aus und kommt auf uns zu, laut schimpfend und mit seinem Handy fuchtelnd, mit hochrotem Kopf, ein deutliches Zeichen für seinen heiligen Zorn.

WIR STEHEN AUF DER AUTOBAHN.

Er muss sehr, sehr, sehr, sehr wütend sein. Mittlerweile schildere ich der Polizei die Situation, sie wollen mich mit der Autobahn-Polizei verbinden, ich habe mir mittlerweile sagen lassen, das können die nicht intern regeln. Wir haben ja Zeit, im Auto sind wir ja sicher. Irgendwann kommen dann keine Autos mehr von hinten und ich entschließe mich, weiter zu fahren. Polizei hin oder her, Recht oder nicht, ich will meine Ruhe, wir haben heute noch was vor.

Allein: der wütende Mann lässt das nicht auf sich sitzen, er springt in sein Auto und nimmt die Verfolgung auf, fährt auf dem Standstreifen neben mir her und bedeutet mir wild gestikulierend, anzuhalten. Er will das gleich regeln. Ich fahre weiter, ich will zum Hornbach, ich muss einen Zaun bauen. Die Autobahnpolizei meldet sich und ich schildere die Situation, mittlerweile ist es mir egal das ich beim Autofahren telefoniere und die Versuche des wütenden Mannes, mich zu rammen, geschickt pariere. Ich habe lange genug Videospiele gespielt, ich kann das.

Sie wollen mir eine Landstreife (?) schicken und fragen mich nach meiner Telefonnummer (schauen sie auf ihr Display). Wir verlassen die Autobahn und haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, das unsere Begleitung eventuell heute noch wichtigeres zu tun hat, aber weit gefehlt. Heptopek der Hund lässt sich in der Zwischenzeit von alldem nicht aus der Fassung bringen. Im Zweifel sollte ich mich nicht auf ihn verlassen. Aber der wütende Mann hat heute scheinbar nichts anderes vor und begleitet uns bis zum Parkplatz Hornbach, wo er sich erneut quer vor uns setzt und brüllend aussteigt. Es ist Samstag, 1000 Leute sind da, keinen juckt es. Nur einer schaut kurz rüber, aber auch er möchte seinen Samstag lieber anders verbringen, und er geht in den Laden hinein.

Die Landstreife ruft mich an und teilt mir mit, sie sei in zwei Minuten da. Ich fahre auf den Behinderten-Parkplatz, im Moment angemessen, wie ich finde, der wütende Mann begleitet mich, natürlich. Ich brauche Ruhe, ich zittere und mir ist schlecht. Die Polizei kommt.  Der wütende Mann ist immer sehr laut und erigiert, möchte ich fast sagen. Die Polizei fragt ihn warum er uns folgt. Er antwortet:“ICH DACHTE DER WILL ABHAUEN!“ Die Polizei ist genauso fassungslos wie wir. Ist er etwa Zivil-Polizist? Wieder lange Rede, keiner hat Zeugen, bis der Herr, der alles beobachtet hat, den Hornbach verlässt, und im Wesentlichen unsere Version bestätigt.

Der wütende Mann beruhigt sich SEHR schnell, und alles verläuft im Sand, alle beruhigen sich, auch die genervte Familie des wütenden Mannes. Wir verzichten aus mehreren Gründen auf eine Anzeige – wir haben nur einen Zeugen für die Parkplatz-Situation, und wir müssen noch einen Zaun bauen. Heptopek, der Hund sieht langsam auch ziemlich gelangweilt aus, den schreienden Mann fand er noch irgendwie interessant. Die Polizei erwähnt die Bekanntheit unseres neuen Freundes auf Grund 4-fachen Waffenbesitzes, und dass sie ihn schon persönlich kennen. Selten habe ich eine Situation als so bedrohlich empfunden. Ich hatte Angst.

 

 

 

Unterwegs V -Retrospektive was last modified: Februar 3rd, 2015 by Heptopus
 

Price:
Category:     Product #:
Regular price: ,
(Sale ends !)      Available from:
Condition: Good ! Order now!

by

Schreibe einen Kommentar